Katze? Hund? Beides?

Vor rund 24 Jahren lief das mit den Haustieren ja noch irgendwie anders, oder etwa doch nicht?

Meine Eltern entschieden sich damals "Das Kind muss mit Tieren groß werden".


Also wurde diskutiert und am Ende machte eine Katze das Rennen... 

Leider musste ich schnell feststellen, dass Katzen sich ihre "Herrchen" selber aussuchen. Und so passierte, was passieren musste: Mein Vater, der Katzengegner im Haus, eroberte im Sturm das Herz MEINER Katze!

Nun ja, nach langem hin und her wurde entschieden, dass sie einmal werfen darf. Wie das dann ja so ist, die Kleinen sind ja schon süß. Und so behielten wir ein Kätzchen. Sie wurde sofort zu meiner Katze, denn ich war bei ihrer Geburt dabei und das hat uns sehr verbunden. Ich war damals 4 und es war wundervoll.


Aber irgendwie störte mich immer dieser eigene Kopf unserer Katzen. Und so sprach ich irgendwann das Thema Hund an.

Mein Vater, der wirklich konsequent dagegen war, erklärte mir irgendwann die "Bedingungen" für einen Hund. Damals, so naiv wie ich war, dachte ich noch ich würde ihn irgendwann umdrehen und er würde seine Bedingungen vergessen. Ich kämpfte über Jahre, zog meine Mutter mit auf meine Seite und erfüllte alle Bedingungen meines Vaters. Ich wollte unbedingt einen Hund.


In meiner Vorstellung war er groß, schwarz und ein richtiger Beschützer!

Und dann kam Strolch.

Alle meine Vorstellungen waren verflogen. Denn da saß er, in seiner Box, mit den anderen Welpen. Er rannte nicht auf die Scheibe zu, nein. Er saß ganz verstört in einer Ecke und guckte mich einfach mit seinen riesigen, traurigen braunen Augen an. Und ich konnte quasi hören, wie er nach mir rief: "Nimm mich mit! Ich bin soooo alleine und einsam. Niemand liebt mich, rette mich!"

Und so kam ich zu einem Dackel-Beagle- Jack Russel-Mix. Ausgewachsen etwas kniehoch und bei weitem nicht das, was wir uns alle vorgestellt hatten.


Zu Hause erwarteten uns zwei völlig empörte Katzen. Die eine hat sich zwei Wochen lang  nicht streicheln lassen und rannte immer knurrend oder fauchend an dem kleinen Krümel vorbei, die andere war anfangs sehr aufgeregt, musste aber schnell feststellen, dass "der Neue" ja gar nicht so schlecht ist. Und so wurden sie unzertrennlich!

Leider dachte der Hund sehr schnell er sei auch eine Katze...

Ebenso wurden meine guten Vorsätze immer schneller auf meine Mutter abgeschoben. Hundeschule, spazieren gehen bei Wind und Wetter und "das Kümmern" um den Hund am Wochenende.

Die Pubertät war für keinen von uns leicht, denke ich. Mein Vater betonte immer "es ist dein Hund, ich werde mich nicht kümmern. So war es abgemacht. Und wenn du ausziehst, dann nimmst du ihn auch mit!" - Ja, die blöden Bedingungen. Mit 14 so bereitwillig zu Papier gebracht, mit 17 genervt davon.

Und trotzdem war es wundervoll mit meinem Hund. Er freute sich immer, wenn ich nach hause kam, unsere täglichen Runden und die Spaziergänge am Wochenende waren so schön.

Der erste ernste Tierarztbesuch, ich weiß es noch, als hätte ich ihn gestern aus dem Wald getragen. Strolchi war gefallen und ein Ast hatte sich in seine Flanke gebohrt. Ich rannte weinend nach hause, er blutete schrecklich. Und selbst mein Vater war entsetzt und brachte uns sofort zu einem Arzt. Ich hatte so furchtbare Angst, dass ich ihn verliere. Vergessen war alles, was das Schlitzohr angestellt hatte. Ich hatte zu große Angst um ihn. Er war ja irgendwo mein Baby.

Als er innerhalb von einem Jahr beide Katzen verlor, wurde er anders. Er wollte nicht mehr allein sein, es war ja keiner da, mit dem er etwas Zeit überbrücken konnte. Und so vergingen die Jahre und er freute sich bei jeder fremden Katze, auch wenn die ihn nie an sich ran lassen wollten und er oft eine dicke Nase hatte, wenn er zu neugierig war.


Ich lernte meinen Freund kennen. Und endlich bekam mein Hund das Alphatier im Haus, was er so lange gesucht hat!

Mein Vater mochte den Hund, hatte ihn lieb, aber er hat  ihn nie zu 100% akzeptiert. Und das merkt ein Hund sehr genau. Er hatte immer Respekt vor meinem Vater.

Aber meinen Partner liebte er plötzlich abgöttisch, weil eben auch mein Freund ihm diese Liebe gibt.

Da stand ich nun, jahrelang habe ich mich um den Hund gekümmert, ich wusste genau wie er war, ich habe Angst um ihn gehabt und habe mich wegen ihm geärgert.

Und wieder nahm ein Mann mir ein Tier weg. Naja, mehr oder mindern. Ich war auch erleichtert, dass es klappte, denn es war ja "mein Hund". Irgendwie...

Da ich spät ausgezogen bin, dachte ich immer, dass ich ihn doch bei meinen Eltern lassen würde. Und als der Tag vor ein paar Jahren kam, kam auch mein Vater mit seinem Ass im Ärmel!

Der blöde Wisch mit den Bedingungen! 10 Jahre lang hat er ihn aufgehoben, um ihn mir eine Woche vor dem Auszug, bei einem Glas Wein über den Tisch hinweg zuzuschieben... "Du nimmst ihn mit, das ist dir klar, oder?"


Und so zogen wir zusammen: mein Freund, Strolchi und ich. Wobei das dem Hund egal war, er hatte ja meinen Freund.

Aber trotzdem merkten wir schnell, dass irgendwas immer noch nicht richtig war. Strolch war komisch, besonders suchte er oft den Kontakt zu anderen Menschen, anderen Tieren und wenn es besonders schlimm war, suchte er auch alle Räume der Wohnung nach mir oder meinem Freund ab.


Und so kriegten wir im Laufe der Zeit eine Katze. Am Anfang war es nicht leicht, bei weitem nicht. Die Katze sah ihn als Beute oder Opfer an und war das erste Jahr nicht nett zu ihm. Aber Strolch, inzwischen in einem stolzen Alter, lies alles mit sich machen. Dann kam ein Kater dazu. Gerettet aus einem schrecklichen Haushalt und siehe da, er bekam einen richtigen Kumpel.


Und nun, seit mehreren Jahren, läuft es rund im Haus. Hund und Katzen sind eine Einheit.

In weniger als einem Monat kommt noch ein Baby dazu. Dann ist Strolch fast 15, leidet inzwischen an altersbedingter Sturheit und Taubheit bei seinem Namen und diversen Kommandos, wie "aus" oder "sitz". Und trotzdem ist er das Beste Tier, ich wünsche mir keinen anderen Hund an meiner Seite. Und so hat er noch ein paar wundervolle Jahre als richtiger Familienhund, mit Allem, was er sich wahrscheinlich immer gewünscht hat.


Und ich habe gelernt, dass ein Hund nicht gleich ein Hund ist, eine Katze nicht automatisch eine Katze, aber das man sehr wohl beide Arten vereinen kann und wunderbare Momente mit den Fellnasen erleben kann.

Ich möchte keinen Moment mit "meinem Hund" oder den Katzen missen. Es würde etwas fehlen.

Und so startet unsere Tochter auch mit 2 Katzen in ihr Leben. Und wer weiß, vielleicht erinnert sie sich auch noch später an einen alten Familienhund.

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Hollandse Herdershond
Herzfehler bei der Katze, was nun?
 

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Dienstag, 27. Juni 2017
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