Das mysteriöse Haus

Bei unseren regelmässigen Spaziergängen lerne ich vieles kennen. Codita ist sehr aufmerksam, was andere Gärten betrifft. So ist in dem einen Garten eine Katze, wenn sie sich gerade sonnt, starren sich die Katze und Codita minutenlang an, bevor es weiter geht. In einem anderen Garten ist ein sehr guter Freund von Codita, der schon etwas älter ist. Selten ist er noch da, wenn wir vorbei kommen, aber wenn, dann wird sich einmal irgendwie durch den Gartenzaun begrüßt. Natürlich treffen sie sich auch manchmal außerhalb des Zaunes.

In einem anderen Garten habe ich Hühner entdeckt, als ich merkte, dass Codita des längeren wie fixiert in den hinteren Bereiches des Gartens lugte. Es war kaum zu erkennen, was da hinten rum huscht. 

Nur bei einem Haus, da fand ich keine Erklärung für ihre Fixierung und Faszination, was sich im Garten herum treibt. Anfangs dachte ich, vielleicht sind dahinter Hühner, die ich nicht sehe, suchte selbst herum, dachte, naja, vielleicht brauche ich doch eine neue Brille, aber gut. Jeden Tag, wenn wir vorbei gehen, starrt sie in den Garten. Es war niemand zu sehen, keine Hühner, keine anderen Hunde, keine Katzen. Vielleicht waren es die Blätter vom Baum, die sie faszinierten. Ich muss gestehen, schön langsam wurde meine Phantasie angespornt und es kam schon ein mulmiges Gefühl in mir hoch, wenn wir da jedes Mal stehen blieben und sie rein schaute. 

Für jeden Garten gab es eine Erklärung. Ein handfestes Aha-Erlebnis, eine Begründung. Aber für diesen Garten? Es war ziemlich ruhig da drin und am Abend hatte ich schier meine Hosen voll, wenn wir da für ein paar Minuten stehen blieben, damit Codita diese Sache fixieren konnte. In den nächsten Tagen forderte ich sie auf, weiter zu gehen. Zum einen, da es mir selbst schon unangenehm war, mit Codita vorm Garten zu stehen und sie da reinschauen zu lassen, zum anderen - ja, ich malte mir wirklich sogar schon ziemlich viel aus. Gibt es wirklich etwas wie Geister? Hunde haben ja einen ziemlich guten Spürsinn. Nein, so ein Blödsinn! Ich dachte schon, wir könnten doch ganz einfach mal einen anderen Weg gehen. Einen Umweg quasi. Wegen einem Haus mit Garten? Weil Codita da immer rein starrte?

Irgendwann trafen wir auf den Nachbarn des Hauses, der gerade Nüsse klaubte. Wir begrüßten uns freundlich und sprachen etwas über Hunde und ... Hunde. Ich erzählte ihm, dass Codita jedes Mal, wenn wir hier vorbei kamen, regungslos in den Garten schaute und ich gestand ihm, dass ich selbst schon nach Hühnern, Katzen oder - wohlgemerkt - sehr, sehr ruhigen Hunden Ausschau hielt. Oder irgendetwas, was sie eben faszinierte und ich mir noch nicht vorstellen konnte. Als er mir sagte, dass dieses Haus schon seit Jahren leer stünde, riss ich die Augen auf. So ganz suspekt war mir diese Sache nicht mehr. Ich merkte sogar schön langsam, wenn wir daran vorbei gingen, wie schnell mein Herz zu pochen anfing und ich glaube sogar, dass sich mein Blutdruck erhöhte. Was den Ärzten eine Freude gewesen wäre. Was ist da drin? Das kann doch nicht sein?

Gestern war Halloween, es war schön, im Dunkel unsere Runde zu gehen, wenn wir nicht an diesem verdammten Haus vorbei gehen müssten. Man mag glauben, was man möchte, irgendwann kommt man an einem Punkt, wo man sich eben schon alles ausmalt. Spukt es denn doch in diesem Haus? Wieso kann Codita nicht einfach unbekümmert vorbei gehen, wie so wenige Hunde es auch tun würden? Mir wäre das sehr lieb und angenehm. Nein, wieder standen wir vor dem Haus und sie starrte diesmal in eine Ecke, nähe des Zaunes. Mein Herz pochte wie wild. Ich sehe nichts. Laub, Wiese, Zaun. Und alles so ruhig. Keine Regung. Die Laternen beleuchteten die Straßen und das Licht berührte auch den Teil des Bodens im Garten, den Codita fixierte. War es das Licht? Wieso starrt sie denn dann ausgerechnet da rein und nicht irgendwo anders hin.

Plötzlich raschelt es. Ich wusste nicht mehr, ob mein Leben nun zu Ende war, wegen meinem steigenden Blutdruck und der Anspannung oder ob nun irgendetwas passieren würde. Ich war völlig fertig. Codita nicht, sie starrte nur. Fasziniert wie so oft. 

Endlich sah ich in der Ecke etwas kleines, bewegliches. Ich ging näher hin. "Ein Igel!!" rief ich zu Codita hinunter. "Es ist ein Igel!!!" Ob mich nun jemand in der Halloweennacht rufen gehört hat und sich mysteriöse Sachen vorstellte, ist mir einerlei. Der Blutdruck dürfte sich wieder in den Normalbereich bewegt haben und mein Herz - als wären Steine runter gefallen. Schade, dass Hunde nicht sprechen können.

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Happy Halloween
Als ich aus der Tankstelle kam ...

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